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Prof. Andreas V. Georgiou Ph.D.

Statistiken spielen heutzutage in den meisten Bereichen der Gesellschaft eine große Rolle: in der staatlichen Führung und anderen politischen und sozialen Prozessen, in der Wirtschaft, in der Entwicklung von Wissenschaft und Technologie sowie von Wissen im Allgemeinen. Die allgegenwärtige Präsenz von Statistiken und ihr Einfluss machen sie auch anfällig für eine Vielzahl von Problemen (z.B. Missbrauch oder Manipulation), die schwer festzustellen und zu kontrollieren sind. Im Bereich der Statistikproduktion, die die amtliche Statistik konstituiert, besteht zumindest die Möglichkeit, institutionelle Rahmenbedingungen und Prozesse zu schaffen, die darauf abgestellt sind, die Anwendung statistischer und ethischer Grundsätze bei der Erstellung dieser Art von Statistiken zu gewährleisten. Die Anerkennung der amtlichen Statistik als globales öffentliches Gut hat jedoch weitreichende Folgen und weist den Weg zu substantiellen institutionellen Reformen auf nationaler und internationaler Ebene, die notwendig sind, damit die Integrität dieses Zweiges der statistischen Praxis auch in Zukunft nachhaltig gewährleistet werden kann. In anderen Gebieten der statistischen Praxis, wie beispielsweise in Wissenschaft und Wirtschaft, sind die Herausforderungen für eine integere statistische Praxis aufgrund der Vielzahl dezentraler statistischer Praktiker und der vielfältigen Rahmenbedingungen für die statistische Praxis in mancher Hinsicht noch größer. Solche Praktiker sind derzeit weitgehend auf ihre eigenen Mittel angewiesen, um eine qualitativ hochwertige statistische Praxis betreiben zu können. In diesem Zusammenhang ist es für die Gesellschaft unerlässlich, die intensive Pflege einer statistischen Kultur durch die Verbreitung, Erforschung und Unterstützung berufsständischer statistischer Ethik (so wie in der Erklärung des Internationalen Statistischen Instituts oder in den Leitlinien der American Statistical Association dargelegt) methodisch zu verfolgen. Diese Bemühung allein würde jedoch wahrscheinlich nicht ausreichen; weitere Schritte sind zur Ergänzung und Unterstützung erforderlich. Wir müssen uns sorgfältig Gedanken über institutionelle Einrichtungen und Modalitäten machen, die von akademischen Instituten, Forschungseinrichtungen, Unternehmen, politischen und sozialen Organisationen (und allen anderen Einrichtungen, in denen es statistische Praktiker gibt) übernommen werden könnten, um eine Kultur der Integrität und Verantwortlichkeit in der statistischen Praxis zu fördern.

 

Prof. Dr. Gerd Gigerenzer

Direktor Harding Zentrum für Risikokompetenz
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Müssen wir überhaupt noch selbst denken und entscheiden, da Google, Alexa oder Siri uns ja sagt, was wir tun sollen? Denken braucht ja Energie. Wie viele Schritte man heute noch gehen muss, wann man ins Bett gehen soll und wie gut man sich gerade fühlt – all das sagen einem heute smarte Armbänder. Und Parship.de berechnet auch noch den idealen Partner fürs Leben. In Medizin und der Finanzwelt möchte man die begrenzte menschliche Intelligenz durch grenzenlose Künstliche Intelligenz und Big Data ersetzen. IBM’s Watson steht bereit. In diesem Vortrag werde ich argumentieren, dass man in einer digitalen Welt noch mehr mitdenken muss als zuvor um die Fernbedienung für die Steuerung des eigenen Verhaltens und der eigenen Werte wieder selbst in die Hand zu nehmen.