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Dr. Jana Sell
Finanzamt für Außenprüfung Bremen

Wahrscheinlichkeitstheoretische Prüfungsmethoden sind in der Wirtschaftsprüfung bereits seit Jahrzehnten etabliert. Zunehmend kommen sie auch in der steuerlichen Außenprüfung zum Einsatz. Hierbei lassen sich zwei wesentliche Ansätze unterscheiden. Zum einen wird anhand von statistischen Verteilungstests überprüft, ob bestimmte Buchführungsdaten einem erwarteten Muster entsprechen. Ein Abweichen von der erwarteten Norm gilt als erklärungsbedürftig und kann ggf. als Manipulation ausgelegt werden. Zum anderen dienen statistische Stichprobenverfahren der Überprüfung großer Datenmengen, indem durch eine begründete Auswahl und detaillierte Prüfung einer kleineren Teildatenmenge auf die Gesamtheit der Daten geschlossen wird. So soll dem Problem wachsender, nicht mehr in den einzelnen nachvollziehbaren Datenmengen begegnet werden.

Als statistisches Kriterium zur Beurteilung der Ergebnisse der Prüfungsmethoden wird – wenn auch selten explizit genannt – der sog. p-Wert als klassisches Signifikanzmaß der Statistik herangezogen. Um den p-Wert und dessen Interpretation ranken sich viele Missverstände. Für die praktische Anwendung besteht häufig der Wunsch, aus dem p-Wert eine „Manipulationswahrscheinlichkeit“ abzuleiten. Dies ist aus statistischer Sicht unzulässig und aus praktischer Sicht auch nicht notwendig. Ein grundlegendes Verständnis der Methode ist ausreichend, um Potenziale, aber auch Grenzen zu erkennen und eine falsche Terminologie zu vermeiden. Durch einen transparenten Umgang mit den Ergebnissen können PrüferInnen und Beraterschaft auf Augenhöhe diskutieren und die Finanzgerichte im Streitfall sinnvolle Entscheidungen treffen. Dabei dient die Statistik allen Beteiligten als „Schlüsselqualifikation“.