Anforderungen und Parameter zukunftsorientierter Analysesoftware
Ernst-Rudolf Töller, Partner BDO AG, Hamburg, und Prof. Dr. Georg Herde, Hochschule Deggendorf
Die Ergebnisse der zitierten Umfrage zur Software für die digitale Datenanalyse sollen, so Prof. Herde, Basis sein für einen Rahmenkatalog, in dem das DFDDA Anforderungen an zukunftsorientierte Analysesoftware und deren Parameter zusammenstellen möchte. Einen ersten Versuch, Analysewerkzeuge zu klassifizieren und Merkmalsausprägungen zu beschreiben, stellte er im Dialog mit Ernst-Rudolf Töller vor.
Prof. Herde formulierte bewusst plakativ ein Reihe von Rahmenbedingungen für die digitale Datenanalyse. Obenan und am Anfang steht für ihn die Forderung nach Unabhängigkeit vom operativen System. Das operative System dürfe durch die Analyse nicht beeinträchtigt werden, aber es dürfe auch nicht erforderlich sein, vorbereitende Analysen, etwa die Anfertigung eines Datenextraktes, dem Administrator zu übergeben. Wenn der Revisor das tue, „dann hört er an dieser Stelle auf zu prüfen“, sagte Herde. Sehr wichtig ist ihm auch, dass das Analysetool die Quelldaten nicht verändern können darf. „Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Wenn der Prüfer die Daten im operativen System durch ein Missgeschick oder Absicht versuchen könnte zu manipulieren, dann ist er in Erklärungsnotstand.“ Weitere Rahmenbedingungen sieht er unter anderem in der Möglichkeit der systemübergreifenden Prüfung, der Verwendung standardisierter Datenformate und der Möglichkeit der sicheren Archivierung großer Datenbestände über mindestens zehn Jahre.
An dem Thema der Archivierung entzündete sich ein Diskussion, die die beiden Referenten aufgriffen und die in späteren Forumsveranstaltungen vertieft werden soll.
Prof. Herdes Katalog an Rahmenbedingungen ergänzte Herr Töller um Forderungen zu Methoden und Verfahren der Analysewerkzeuge. Wichtig ist für ihn, „Kennzahlen und Ratings für betriebswirtschaftliche Objekte bereitzustellen, die auch bei einer großen Anzahl von Prüfungsobjekten (z.B. Debitoren, Kreditoren, Aufträge) einsetzbar sind“. Es werde immer unrealistischer, sich gefilterte Restmengen von Daten genauer anzusehen. Man komme zunehmend an den Punkt, an dem die Daten mit einem Score versehen werden müssten, so dass sich der Prüfer einen Satz der schlechtesten Scores genauer ansehen kann.
Solche Klassifizierungen könne man aber nicht ohne mathematische Modelle bilden. Heuristiken sollten auf mathematische Modell umgestellt werden, denn Heuristiken seien zu sehr an Beispielen und Einzelphänomenen orientiert, während tieferliegende Eigenschaften von Zahlen- und Datenmengen nicht erkannt oder nicht genutzt würden. Allerdings dürften nur nachvollziehbare und nachweisbare Phänomene in Zahlen und Daten genutzt werden. Würden komplexe Annahmen gemacht, könne man im konkreten Fall nie sicher sein, dass deren Gültigkeit gegeben sei.
Zum Schluss ihres Dialogs präsentierten die beiden Referenten noch eine Liste technischer Anforderungen an Analysesoftware, wozu unter anderem die schon erwähnte Unveränderbarkeit der Daten in der Analysesoftware, die Skriptfähigkeit und die Nachvollziehbarkeit aller Einzelschritte gehört. Herr Töller wies außerdem darauf hin, dass die Software eine strikte Datentypbindung nutzen und dass Festkommaarithmetik als Standard genutzt werden müsse, da es bei großen Datenmengen Probleme mit der Verlässlichkeit sogar von Additionen geben könne, wenn Fließkommaarithmetik eingesetzt werde.
Ein erster Ansatz für eine Klassifizierung der verfügbaren Softwaretools nach den formulierten Kriterien ergab zu fast jedem Tool eine Liste offener Fragen und Verbesserungswünsche.
Zum Abschluss gab Herr Töller einen Ausblick auf 2012: „Wir wollen, das, was wir heute angestoßen haben, auch 2012 zum Gegenstand des DFDDA machen und sie einladen, uns in der Diskussion zu unterstützen."